Kriegsforschung an der CAU?

Wir veröffentlichen die

Drittmittellisten!

Drei Universitätsflaggen wehen hinter dem Audimax der CAU Kiel im Wind.

Schon seit letztem Jahr wird an und um die CAU wieder über die Einführung einer Zivilklausel diskutiert. Auch an uns ist dieses Thema nicht vorbeigegangen. Wir möchten nun Transparenz schaffen und so eine faktenbasierte Debatte ermöglichen.

Deshalb haben wir mittels einer IZG-Anfrage via FragDenStaat bei der Universität eine Liste aller eingeworbenen Drittmittel angefragt.
Und die Uni hat geantwortet: mit den Drittmittellisten inklusive Projekttitel, Fördersumme, Fakultät und Art des Geldgebers (öffentlich inklusive gemeinnützig/privat) für die Jahre 2024, 2025 und 2026 bis inklusive März.

Auf dieser Seite möchten wir über die Thematik informieren und euch die Daten zum Download anbieten, damit ihr euch eure eigene Meinung bilden könnt.

Drittmittellisten zum Download

Anmerkungen zum Datensatz:

  • Die Zuordnung zu den Fakultäten, Filterung und Zusammenstellung der Daten erfolgte durch die CAU. Wir können nicht für die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Daten garantieren. Die Projekttitel legen beispielsweise nahe, dass Drittmittelprojekte des Instituts für Informatik weiterhin der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät zugerechnet werden, obwohl dieses seit 1994 der Technischen Fakultät zugeordnet ist.
  • Manche Projekte und Beträge erscheinen in den Drittmittellisten mehrerer Jahre. Dies legt die Vermutung nahe, dass es sich nicht um eine Liste der in den jeweiligen Jahren eingeworbenen Drittmittelprojekte handelt, sondern um diejenigen Drittmittelprojekte, über die im jeweiligen Jahr Kosten abgerechnet wurden.
  • Die Drittmittellisten enthielten im Original teilweise Namen von an der Universität tätigen Personen. Wir haben diese Namen entfernt und jeweils durch „XXNAMEXX“ ersetzt.

Hier kannst du die vollständigen Drittmittellisten herunterladen, die uns die Uni geschickt hat:

Für Anfragen erreichst du uns unter: kontakt@diefachschaften.de

Was sind Drittmittelprojekte?

Drittmittelprojekte sind alle von externen Geldgebern finanzierten Forschungsprojekte.

Wer finanziert da so?

Da die uns vorliegenden Listen nicht die Namen der Geldgeber enthalten, können wir dazu leider keine exakten Angaben machen. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass Unternehmen, Stiftungen, Ministerien und Behörden zu denjenigen Stellen gehören, die Forschungsvorhaben finanzieren.

Findet an der CAU offensichtlich militärische Forschung statt?

Nein.

Findet an der CAU Dual-Use-Forschung statt?

Ja.

Was ist Dual-Use?

Dual-Use-Forschung ist zivile Forschung, die auch zu militärischen Zwecken genutzt werden kann.

Hier ein Beispiel: An der Technischen Fakultät läuft oder lief (Stand 2025) das Projekt „NEPTUNE - neue Schallwandlertechnologie für unbemannte Unterwassersysteme“. Dort wurde laut dem Maritimen Forschungsprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums (via LinkedIn) in Kooperation mit der ELAC SONAR GmbH und der Phi-Stone AG und gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie an der Entwicklung eines neuartigen Sendeverfahrens für tieffrequente Signalübertragung unter Wasser geforscht. Die (zivilen) Einsatzfelder liegen laut dem zuvor genannten LinkedIn-Post in der Offshore-Windenergie, Unterwasser-Infrastrukturen sowie dem Katastrophen- und Zivilschutz. Es ist jedoch naheliegend, dass ein Unternehmen wie die ELAC SONAR GmbH, das auf seiner Über Uns-Seite mit der Tagline „We equip innovative navies with advanced sonar systems“ auftritt, eine Technologie, die laut LinkedIn-Post „auch auf kleineren, autonomen Plattformen Kommunikation und akustische Aufklärung zuverlässig gewährleiste[n kann]“, auch in militärischen Produkten einsetzen könnte.

Dieser Beitrag soll sich gar nicht für oder gegen ein spezifisches Drittmittelprojekt oder eine bestimmte Forschungskooperation richten. Vielmehr wird am Beispiel eines Drittmittelprojekts wie diesem die grundlegende Schwierigkeit bei der ethischen Bewertung von Drittmittelprojekten im Allgemeinen deutlich: Einerseits können solche Technologien beim Ausbau erneuerbarer Energien oder bei der Hilfe in Katastrophengebieten unterstützen, andererseits könnten sie auch in militärischen Unterwasserdrohnen zum Einsatz kommen. Überwiegt der zivile oder militärische Nutzen?

Außerdem ist auch die Abgrenzung zwischen militärischer und ziviler Forschung selten klar, wodurch der Bereich der Dual-Use-Forschung ein weites Feld ist: Die Magnetenzephalographie (MEG) zum Beispiel wurde ursprünglich in der Medizin entwickelt, um Hirnströme invasionsfrei (ohne das Öffnen der Schädeldecke) messen zu können. Dabei kommen hochsensitive Magnetometer zum Einsatz. Hochsensitive Magnetometer können allerdings auch zur Ortung von Panzern auf dem Schlachtfeld eingesetzt werden. Aber sollte man deshalb die Forschung an hochsensitiven Magnetometern einstellen?

Gerade in Zeiten klammer Kassen und kleinerer Grundhaushalte werden Drittmittel zu einem immer wichtigeren bis hin zu unausweichlichem Bestandteil der Finanzierung von Wissenschaft. Deshalb ist es trotzdem wichtig, diese Debatten zu führen.

Aus dem Datensatz: Drittmittelverteilung zwischen Fakultäten

Öffentliche vs. private Geldgeber

Wie ist das an deiner Fakultät?

Basierend auf den Daten für 2025.

Wir fordern: Drittmittellisten proaktiv veröffentlichen!

Die Beantwortung unserer Anfrage zeigt: Die Drittmittellisten sind kein Staatsgeheimnis. Es sollte jedoch nicht unsere Aufgabe sein, diese Informationen jedes Jahr aufs Neue bei der Uni anzufragen und öffentlich zugänglich zu machen. Wir fordern, dass die Universität ihre Drittmittellisten, wie andere Statistiken auch, jährlich auf ihrer Webseite veröffentlicht. Dafür werden wir uns auch in Zukunft weiter einsetzen.